Die europäische Tradition zu erhalten und fortzubilden sei die Aufgabe der Gegenwart, erklärte der Präsident der Joachim-Jungius-Gesellschaft (Hamburg), Professor Dr. Wolff, zu Beginn der dritten wissenschaftlichen Tagung der Gesellschaft. So wurden die Vorträge dieser zwei Tage ein Bemühen um verlorengegangene Tradition, geglückte Versuche, die Verbindung mit der Vergangenheit wiederherzustellen in einer Zeit, der die Kierkegaardsche Kategorie des Dämonischen – "das Plötzliche" – wie kaum einer vorangegangenen angehört. Unter den vortragenden Dozenten war ein Mann vom Range des englischen Geschichtsphilosophen Toynbee, der sich mit dem Thema "Gleichförmigkeit und Einzigartigkeit in der Geschichte" beschäftigte. Toynbee legte dar, daß die Frage nach geschichtlicher Wiederholung und geschichtlicher Einmaligkeit für den Philosophen die Frage nach Gesetz und Freiheit im menschlichen Leben ist; diese Frage sei auch heute noch ungeklärt. – Nun sind allerdings die Fragen nach genauer Kenntnis des Verhältnisses von Freiheit und Gesetz für den Menschen so alt wie die menschliche Geschichte – ohne daß bisher eine endgültige Antwort gegeben wurde. Auch Toynbee mußte sie seinen Zuhörern vorenthalten, die von dem Verfasser der "Studie zur Weltgeschichte" anderes erwartet hatten als die Darlegung alter Probleme, auf die er keine wesentlich neuen Antworten wußte.