Jüngst sagte der italienische Cellist Enrico Mainardi auf einer norddeutschen Station seiner musikalischen Deutschlandreise ein verblüffendes Wort. Er sagte es ganz privat in einem politisch durchsetzten Kreise, dessen Angehörige eilig zustimmten: "Wenn ich vom Cellospiel so wenig verstünde wie manche Politiker von Politik – getraute mich auf kein Podium!" Abends hörten wir Mainardi in der Hamburger Musikhalle das Cello-Konzert von Dvořák spielen. Er spielte – leider waren keine prominenten Politiker zugegen – ganz herrlich. Seine Virtuosität war ohne Pose und Phrase; es war soviel Intellekt wie Intuition; es war, als fielen die von natürlichem Wohllaut beseelten Töne geradenwegs vom Himmel ihm auf die Cellosaiten. Doch nicht nur er – auch Eugen Jochum, der jetzt in München wirkt, war als Gast zu seinen Hamburger Philharmonikern gekommen. Die C-dur-Symphonie Pfitzners mit dem so frisch-ritterlichen Trompeten-Thema klang so ausgewogen in allen dynamischen Schattierungen, daß man unmittelbar die Schönheit eines Werkes begriff, von dem man danach nicht mehr begreift, wieso es nicht längst ein Lieblingsstück des Konzertpublikums wurde.