Von Johannes Cremerius

Im Anschluß an politische Prozesse der Kriegs- und Nachkriegszeit tauchten immer wieder Gerüchte auf, daß die Geständnisse den Angeklagten durch eine "Wahrheitsspritze" abgerungen worden seien. Der Mindszenty-Prozeß mag hier als Beispiel genannt werden. In jüngster Zeit kam jedoch auch von Frankreich eine sehr bemerkenswerte Nachricht –: ein Delinquent hatte die psychiatrischen Experten angeklagt, daß sie von ihm Geständnisse mit Hilfe der Narkoanalyse erzwungen hätten. Zu gleicher Zeit wurden ein anderer französischer und ein belgischer Fall bekannt, in denen die beiden Angeklagten mit Hilfe der Narkoanalyse "demaskiert" und dann zum Tode verurteilt wurden. Mit Spannung wurde die Diskussion erwartet, die im französischen Falle der Kongreß der Gerichtsmediziner in Lausanne und vorher schon die "Société de Medicine Légale" über dieses Thema führte. Sie liegt in einer Entschließung der "Académie de Medicine" vor, die sich eindeutig gegen die Anwendung der Narkoanalyse und ähnlicher Methoden bei gesetzlichen Expertisen ausgesprochen hat.