NL, Wien, Anfang November

Alle wirtschaftlichen Daten lassen erkennen, daß in diesem Jahr die österreichische Produktion gegenüber 1948 zwar wesentlich gestiegen ist, daß die Produktivität aber noch um mindestens 30 v. H. unter der Vorkriegsnorm liegt. Dabei ist die österreichische Industrie, speziell in arbeitsintensiven Artikeln, die früher die Hauptstütze ihres Exports waren, infolge ihrer Kostenbelastung am Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. War noch im Vorjahr diese Unter Produktivität mit der Unterernährung der Arbeiterschaft zumindest zum Teil entschuldbar, so ist es heute klargeworden, daß sie in erster Linie die Folge der unrationellen Produktion infolge Mangels an modernen Maschinen und Anlagen ist. Denn schon vor 1938 hat es die allgemeine Wirtschaftskrise unmöglich gemacht, im großen Stil Modernisierungen des Maschinenparks durchzuführen; unter der deutschen Okkupation wurde Raubbau an industriellen Anlagen getrieben; nach 1945 wurden rund 46 000 Maschinen im Werte von etwa 1,2 Mrd. Schilling demontiert.So erklärt es sich, daß der Investitionsbedarf Österreichs enorm und seine normale Produktivität von dessen Erfüllung abhängig ist.