Herr und Untertan sind Partner geworden, Im gleichen großen Rittersaal, zu Den Haag, in dem 1581 die Niederlande ihre Unabhängigkeit erklärten, mußten sie in der vergangenen Woche ihrem bisherigen Kolonialreich die volle Souveränität zuerkennen. Nach fast 300 Jahren strenger Kolonialherrschaft tritt ein neuer Staat von über 72 Millionen Menschen zu den freien Nationen der Welt: Die Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien. Fast unbachtet von der Weltöffentlichkeit hat das Allheilmittel Zeit auf der zweimonatigen Round-Table-Konferenz im Haag – der "langweiligsten Kaffeetischkonferenz seit Kriegsende", wie Korrespondenten sie nannten – eine Wunde geschlossen, die noch zu ihrem Beginn eiterte und schwärte, als sei sie unheilbar. Die zwei "Polizeiaktionen" der Holländer hatten den von den Japanern während des Krieges geweckten Nationalhaß der Indonesier nicht brechen können, und die verratenen Abkommen von Linggadjati 1946 und Renville 1947 ließen jeden Gedanken an einen neuen Kompromiß als Utopie erscheinen. Der Versuch, die Zeiger der kolonialen Uhr zurückzustellen, kostete die Niederlande 1600 Tote. Jetzt haben sie ihn endgültig aufgegeben. Damit ist die Entwicklung farbiger Nationalitäten in Asien in ihre letzte Phase getreten: Nach Indien und Indochina hat Indonesien die Selbständigkeit erhalten. Die großen Völker Asiens sind frei.