RKN., Zürich, Anfang November

Die Überliquidität der schweizerischen Wirtschaft, bedingt durch den Druck der Sozialversicherungsfonds auf den Anlagemarkt, durch die allgemeine Schwierigkeit von Kapitalplacierungen sowie die praktische Unmöglichkeit nennenswerter Kapitalexporte wegen zu hoher Risiken, hat dazu geführt, daß seit Monaten die freie Goldabgabe an das Publlkum gefordert wird. In diesen Tagen bringen nun maßgebliche schweizerische Blätter einen vermutlich von der Nationalbank inspirierten Artikel, der sich energisch gegen die Goldfreigabe wendet. Es wird ausgeführt, daß eine solche Manipulation eine "Unterstützung der Flucht aus dem Franken" wäre. Wenn eine spätere Abwertung sich doch als nötig erweisen sollte, würde der Abwertungsgewinn dann privaten Spekulanten und nicht dem Bund zugute kommen. Da die Nationalbank das Gold zum offiziellen Kurs abgeben müsse, sei ein wilder Schleichhandel mit Gold ins Anstand zu befürchten. Dazu wird weiter gesagt: "Es wäre zum erstenmal in der Geschichte der Notenbanken, daß ein Noteninstitut, dessen Aufgabe es ist, den Wert der Währung zu erhalten, dieser Aufgab? gerade dadurch widerspricht, daß es eine der besten Waffen im Kompt für die Stabilisierung der Währung, nämlich einen Teil der Goldreserve, der Spekulation in die Hände spielt."