Sehstörungen durch Neurose

Der "Spiegel der Seele", das menschliche Auge, ist beim heutigen Menschen häufig getrübt. Darum trägt er so gern eine Brille. Die jungen Jive-Leute der nächtelangen Jam-Session, die mit Vorliebe im Tanzsaal Sonnenbrillen aufsetzen, sollten aber zur Kenntnis nehmen, daß sie trotz oder gerade wegen ihrer Verhüllung durchschaut sind. Ein skandinavischer Augenspezialist berichtete über seine Erfahrungen hinsichtlich der psychischen Ursachen von Augenkrankheiten. Unter den Fällen, die er behandelt, befinden sich täglich solche, die offensichtlich neurotische Ursachen haben. Vielfach wünschen Patienten überhaupt nur deshalb Brillen, weil sie sich gegen die feindliche Umwelt abschirmen wollen. Mit Komplexen beladen, scheuen sie davor zurück, einem anderen ins Auge zu sehen oder sich ansehen zu lassen. Angst, Zorn und Ärger beeinträchtigen das normale Sehvermögen. So entsteht sogar der "Grüne Star" häufig als Folge heftiger Erregung; ebenso kann Schielen durch psychische Störungen hervorgerufen werden. Sehr häufig gehen Augenentzündungen auf seelische Momente zurück. So hat es sich in vielen Fällen gezeigt, daß sich Ehemänner, die ihren Frauen untreu sind, infolge ihres Schuldkomplexes entzündliche Erkrankungen der Augen zuziehen.