Von unserem Frankreich-Korrespondenten

Paris, im November

Die in der "Zeit" veröffentlichten Erklärungen des Bundeskanzlers zu der ihm vorschwebenden Gestaltung des deutsch-französischen Verhältnisses wurden in Paris, wo sie auszugsweise bereits am Mittwochmorgen bekannt waren, sehr beachtet. Keine Zeitung hat sie verschwiegen. Der Figaro, das keiner Partei verpflichtete populär-konservative Morgenblatt, brachte am Donnerstagmorgen das Interview Dr. Adenauers in großer Aufmachung und fast vollständig nebst einem fettgedruckten Hinweis auf die Wichtigkeit des Textes, der auch dem flüchtigsten Leser beim Überfliegen der Titelseite nicht entgehen konnte. Die Stellungnahme Roger Massips, des angesehenen außenpolitischen ’Leitartiklers dieses Blattes, wird wohl noch folgen. Der abends erscheinende Monde das immer wieder zu Unrecht als Regierungsorgan geltende, aus der Widerstandsbewegung hervorgegangene unabhängige Informationsblatt, brachte am Donnerstag abend mit seinem Leitartikel den ersten großen Kommentar, in dessen Verfasser man wohl René Lauret vermuten darf, dessen solide Kenntnisse der deutschen Dinge über alles Lob erhaben sind. Der Leitartikel von Monde sieht besonders in Dr. Adenauers Äußerungen zum Ruhrstatut einen positiven Beitrag zur Verbesserung des deutsch-französischen Verhältnisses. Die Worte des Bundeskanzlers zeigten, daß er die französischen Besorgnisse verstanden habe, und seine Sprache sei die der Vernunft. Das Problem der deutsch-französischen Beziehungen müsse in dem von Dr. Adenauer definierten Geiste angepackt werden, welcher der gleiche sei, dem der französische Außenminister Robert Schuman schon häufig Ausdruck gegeben habe. Nur auf diese Weise, so folgert Monde, könne man bald zu positiven Ergebnissen gelangen. Beachtenswert an dem Artikel ist ein Absatz, in welchem den Franzosen versichert wird, daß der Wunsch nach einem besseren Verhältnis zu Frankreich tatsächlich sehr verbreitet sei im deutschen Volke. Am Tage darauf brachte Monde die vollständige Wiedergabe des Interviews.