Obeys "Not" in Westdeutschland

Für die Compagnie des Quinze, die Schauspieltruppe des großen französischen Regisseurs Jaques Copeau, hat André Obey sein Stück "Noë" geschrieben, das 1931 in Paris uraufgeführt wurde. Während Copeau, ein Erneuerer der Bühne wie Stanislawsky, wie Reinhardt, siebzigjährig, in diesen Tagen in der Bourgogne starb, wurde das Stück von Noah und der Sintflut zum ersten Male in Deutschland (im Hessischen Staatstheater, Wiesbaden, und in den Hamburger Kammerspielen) aufgeführt.

Heute, da wir unsere eigene Sintflut hinter uns haben und dabei sind, wieder in die alten Fehler zu verfallen, die sie heraufbeschworen, ist uns der wesentliche Kern dieser biblischen Geschichte ganz geläufig. Es verblüfft und beunruhigt zugleich, diesen Stoff hier mit so überlegener Leichtigkeit abgehandelt zu sehen mit einem Noah, der seinem lieben Gott gelegentlich am Barte zupft, Es beunruhigt vor allem deshalb, weil diese seine Auserwähltheit nicht überzeugt, da mit den Schuldigen die große Zahl Unschuldiger in den Fluten versinkt. Die Hamburger Regie (Peter Lühr), auf der schwierigen Suche nach der überlegenen Leichtigkeit des Franzosen Obey, geriet etwas ins Laute, Lärmende. Auch strahlte Hans Mahnke, der den Noah spielt, statt innerer Überlegenheit und Größe zu viel nervöse Unvollkommenheit aus. Allenthalben fehlte etwas. Es scheint, es fehlte ein – Copeau. E. M.