Zur Sinologentagung in Bad Pyrmont

Pyrmont, Anfang November

China ist uralt, imponierend groß und menschheitsgeschichtlich bedeutsam; die Sinologie jedoch ist als selbständige, akademisch anerkannte Wissenschaft noch ganz jung und muß oft genug im konturlosen Gehege der allgemeinen Orientalistik Zuflucht nehmen. Sie ist ein kleines, unterernährtes Pflänzchen im offiziellen Garten der Erkenntnis, und man wendet ihr keine Mittel zu. "Man kann sich Reitpferde halten oder Sinologie betreiben", heißt ein Sprichwort derer, die es angeht – und heute, nach dem zweiten Weltkrieg, kann man beides nicht mehr, sollte man meinen. Nur wenige Lehrstühle haben wir noch in Deutschland für die Sinologie zur Verfügung, bezahlte Dozentenstellen gibt es nicht: dennoch setzt sich auch bei uns "das alte Spiel der Drachen um die Perle der Vollkommenheit" in souveränen Geistern fort.