Von unserem Bonner Korrespondenten

Bonn, Anfang November

In dem Streit um den Südweststaat hat es schon so viele Überraschungen gegeben, daß man auch aus scheinbar übersichtlichen Beratungsergebnissen nicht in der Lage ist, weitreichende Schlüsse zu ziehen. Zur Zeit ist man wieder an einem möglichen Wendepunkt angekommen. In Freudenstadt verständigten sich kürzlich die Landesvorstände der CDU der drei miteinander verhandelnden Länder über die Durchführung einer Volksabstimmung, bei der sowohl die von der südbadischen wie die von den beiden anderen Regierungen gewünschte Fragestellung berücksichtigt werden soll. Südbaden hatte vorher die Stellung einer Alternativfrage verlangt: Zusammenschluß der drei Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Südbaden zu einem Südweststaat, oder Wiederherstellung der beiden Länder Württemberg und Baden in ihren früheren Grenzen. Die Regierungen in Stuttgart und Tübingen lehnten eine alternative Fragestellung aus staatsrechtlichen und psychologischen Gründen ab. Die Erfahrungen, die man mit Volksabstimmungen in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten gemacht habe, lehrten, daß viele Stimmberechtigte unklar ausgefüllte und damit ungültige Stimmzettel abgeben, wenn an sie nicht eine Frage gestellt wird, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Man erklärte sich aber in Stuttgart und Tüfingen bereit, in einem zweiten späteren Wahlgang einen Volksentscheid über die Wiederherstellung der alten Landesgrenzen zu ermöglichen, falls im ersten Wahlgang die Errichtung des Südweststaates abgelehnt werden sollte.