Man ist daran gewöhnt, daß Industrien und Grund und Boden, gelegentlich auch die Ärzte und häufig der gesunde Menschenverstand verstaatlicht werden. Die Verstaatlichung der Kirche, die das neue Kirchengesetz in der Tschechoslowakei, einem überwiegend katholischen Lande, am 1. November einführte, ist jedoch zweifellos ein Novum. Seit Sowjetrußland in Osteuropa etwa 43 Millionen Katholiken in seinen Herrschaftsbereich einbezog, nimmt der Kampf zwischen Kurie und Kreml immer heftigere Formen an. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, denn der Lebensraum der Kirche: die Gewissensfreiheit des einzelnen, ist von dem Totalitätsanspruch der kommunistischen Lehre aufs schwerste bedroht.