Der Dreißigjährige Krieg nach der Schilderung Grimmelshausens scheint es dem Kölner Generalintendanten angetan zu haben. Mit dem Ballett "Die Gaunerstreiche der Courage" von Richard Mohaupt begann es. Vor kurzem folgte im Schauspiel Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder". Jetzt war die Oper dran, und zwar in ihrem Kleinformat als Kammeroper.

Der Münchener Komponist Karl Amadeus Hartmann ist zu dem Bühnenwerk "Des Simplicius Simplicissimus Jugend" durch den Dirigenten Hermann Scherchen angeregt worden. Er hat Hartmanns konzertante Arbeiten nicht nur im Auslande gefördert, als beide Musiker in Deutschland verpönt waren, sondern ihm auch das Szenarium entworfen. Es behandelt in wörtlichen Ausschnitten aus Grimmelshausens Roman drei Lebensstationen des Simplicius, die als "Bilder einer Entwicklung aus dem deutschen Schicksal" symbolisch gemeint sind und den Leidensweg des Volkes unter Gewaltherrschaft und ungerechter Sozialordnung darstellen wollen. Ein "Lebensbaum" bildet, ähnlich wie das Rad der Fortuna in den "Carmina Burana", das verklammernde Sinnbild. Idee, Stoff und altertümliche Sprachform sind bestechend, rücken das Werk aber als Ganzes wie in manchen Einzelheiten stark in die Nähe bedeutender Vergleichsmöglichkeiten (Brecht, Hindemith, Orff). Hartmann packt seine Aufgabe mit bajuwarisch festem Griff an. Mordbrennerei und fromme Christenlehre, verderbter Lebensgenuß und die Einfalt eines schlichten Gemüts prallen aufeinander. Auch die Moral von der Geschicht’ wird deutlich ausgesprochen. Ein "Sprecher" und ein Chor der Landsknechte, den die Regie als Landser des Weltkriegs uniformiert hatte, sorgen dafür, daß jeder versteht, was gemeint ist. Aber trotz des Aufgebots von Musik, Gesang, gesprochenem Wort, Tanz und szenischen Symbolen will sich aus der Bilderfolge die bewegende Wirkung eines Kunstwerks von Form und Gesetz nicht einstellen.