Zu jenen Wissenschaften, die in den letzten Jahrzehnten im Gefolge von Physik und Chemie die bedeutendsten Fortschritte gemacht haben, zählt die Physiologie, die Wissenschaft von den Lebensvorgängen. Immer mehr ist an die Stelle dunkler Vorstellungen klare Erkenntnis getreten, und mit bestem Erfolg, hat die Medizin, aber auch die Technik, moderne Physiologie des Menschen zu Rate gezogen. So wenig wie zeitgemäße Heilmethoden ohne Physiologie -denkbar wären, würde beispielsweise ein hochwertiges optisches Gerät ohne Kenntnis der Physiologie des menschlichen Auges oder ein einwandfreier Lautsprecher ohne Kenntnis der Physiologie des Ohres zustande gebracht worden sein. So ist es auch kein Wunder, daß der moderne Physiologe sich auf sehr weiten Gefilden der Medizin und Technik als gern gesehenen Freund und Berater fühlt. Jenes Gebiet jedoch, das so sehr wie kaum ein anderes den Menschen zum Gegenstand hat, die Politik, zeigt sich an der Physiologie weitgehend uninteressiert, obwohl gerade sie durch Berücksichtigung dieses Wissensgebietes mancherlei Irrtümer und Fehler Vermeiden könnte. So kommt es, daß der Physiologe auf dem Gebiet der Politik Dinge ablaufen nicht, die ihn nicht nur sonderbar anmuten, sondern von vornherein als Fehlgriff angesprochen werden können, weil sie zu den Einfachsten Grundbedingungen des menschlichen Lebens im Gegensatz stehen.