Sie sagen: Das mutet mich nicht am Und meinen, sie hătten’s abgetan!

Goethe

Ja oder Nein zu sagen zu den mannigfaltigen Dingen dieser Welt und also auch zu denen der Kunst, steht in jedermanns Belieben; denn jedermann hat ein unabdingbares Recht auf seinen persönlichen Geschmack, über den bekanntlich nicht gestritten werden kann. So lehnen manche Rubens’ Malereien ab. weil seine Leiber zu korpulent seien, oder Dürers Graphik, weil seine Liniensprache zu Wirt sei und zu zerknittert; anderen wieder sind Grunewald oder Greco zu unnatürlich. Cranach und Grien zu häßlich, Degas zu kühl Leibl zu phantasiearm, Menzel zu nüchtern, und was es an solch absonderlichen Urteilssprüchen immer geben mag. Meinungsäußerungen dieser Art, sie mögen nun negativ sein oder auch positiv – Ablehnung und Beifall stehen ja gerade in den Dingen der Kunst meist einander schroff gegenüber – haben etwas Sympathisches, auch wenn sie ohne den rechten Respekt und die rechte Begründung nichts weiter bleiben als der freimütige Ausdruck dessen, wie einem zu Mute ist, als ein unbekümmertes Ja oder Nein in der allgemeinen Lauheit und Unsicherheit vor den Gebilden der Kunst oder in der üblichen Verängstigung. sich gerade bei der Betrachrung ihrer Werke sträflich zu blamieren.