Am 1. Januar hat das Zweizonenverwaltungsamt für Wirtschaften Minden seine Tätigkeit aufgenommen. Endlich einmal eine wirklich gute Sache, so hoffte man bei aller üblich gewordenen Vorsicht. Fraglos handelt es sich hier um die zur Zeit wichtigste deutsche Behörde. Nach zwanzig Monaten der Länderenge und der Zonenmauern: Wirtschaftseinheit für mehr als vierzig Millionen Menschen! Welch eine Gelegenheit für beste sachliche Leistung, mit dem einen Ziel, aus. der tödlichen Produktionskrise herauszukommen.

Aber was geschieht? Nach zwei Wochen Arbeit in Minden kommt die Meldung, daß der Vorsitzende des Zweizonenamts für Wirtschaft, Dr. Rudolf Mueller, zurückgetreten ist. Sämtliche Wirtschaftsminister der sechs Länder der beiden Zonen haben ihm ihr Mißtrauen ausgesprochen. Man versteht nicht ganz. Wieso können sechs Länderminister einen Mann stürzen, der so etwas wie ein Zweizonenminister, also annäherungsweise ein Reichsminister zu sein schien? Das Studium der Satzungen ergibt, daß das seltsame Gremium der sechs Wirtschaftsminister tatsächlich diese Befugnis hat. Der Vorsitzende des Zweizonenamts ist kaum mehr als der Geschäftsführer eines Verwaltungsrats, bei dem alle Vollmachten und Verantwortungen vereinigt sind. Dieser Verwaltungsrat erteilt sämtliche Weisungen, ernennt alle leitenden Angestellten. Die Satzungen sprechen fast nur von ihm und fast gar nicht von dem Verwaltungsamt und seinem Vorsitzenden. Sogar die Veröffentlichungen der Behörde haben "im Namen" des Verwaltungsrats zu erfolgen. Er kann dem Vorsitzenden "zur Erfüllung seiner Aufgaben erforderliche Befugnisse übertragen". Er kann, aber er muß nicht. Und dem Vorsitzenden wird ausdrücklich-bescheinigt, daß er im Verwaltungsrat keine Stimme hat. Die Mitglieder dieses Rates aber, von denen nach den Satzungen anzunehmen wäre, daß sie tagtäglich in Minden im Schweiße ihres Angesichts zu arbeiten haben, sind ... die sechs Wirtschaftsminister, deren Haupttätigkeit in Kiel, Hannover, Düsseldorf, Wiesbaden, Stuttgart und München liegt.