Versuch eines Requiems" nennt Max Frisch sein von den Münchner Kammerspielen, uraufgeführtes Stück und legt uns damit selber die Frage in den Mund, warum es denn beim Versuch bleiben mußte Requiem, Totenmesse, ist heilige Handlung, um des Friedens der Entschlafenen willen. Auch in den fünf Szenen von "Nun singen sie wieder" werden die Schrecken des Vernichtungskrieges nicht lediglich darum beschworen, damit wir armen Überbleibsel noch einmal unter Schauern und Grämen erleben, wie es gewesen ist. Indem Frisch, auch er, die Verstorbenen auftreten und in die Welt der Lebenden herübermahnen läßt, "das Haus nicht wieder so, wie es vordem war, aufzubauen", wird sein tieferes Anliegen sichtbar: den Toten die Frucht ihres Sterbens – den wahren Frieden unter uns Lebenden – zuzubringen – Daß der Schweizer Autor von einem übernationalen Standort aus in menschheitlichem Verantwortungsgefühl redet, wird auch daran deutlich, daß er die Gewichte der Schuld verteilt: den Greueln einer Geiselerschießung auf deutscher Seite stellt er recht sinnfällig die Greuel des Bombenkrieges auf deutsche Städte gegenüber. Wenn im ganzen trotzdem mehr Licht auf die-Alliierten in Ost und West fällt, so liegt das daran, daß die an ihre Adresse gerichtete Mahnung, den Frieden nicht zu verfehlen, an den Schluß und vergleichsweise diskret gesetzt ist; ferner daran, daß die alliierten Flieger als eine Gesellschaft netter jünger Menschen vorgeführt wird, während der anständige deutsche Soldat (Karl) uns nur mehr als mißbrauchtes und innerlich verlorenes armes Luder vor die Augen kommt, die "zivile" deutsche Menschheit aber in dem desolaten Zustand ihrer Angstverscheuchtheit und Todesbedrohung, der auch Wenn er wahr geschildert ist, keine Sympathien zu wecken vermag. Am entschiedensten aber kommt es daher, daß der Deutsche gleich zu Beginn grell repräsentiert wird durch jenen satanischen Typ, der (im Akt der kalt, überlegten Vernichtung) dem Nichts jopfert, damit der "Geist", an dem er verzweifelte, sich endlich stelle und zurückschlage.