Nach der vorläufigen Regelung der Triester Frage, die Monate hindurch den Hauptgegenstand der jugoslawischen diplomatischen Aktivität Und den Stoff langer Betrachtungen der Belgrader Presse lieferte, scheint es, daß man in Belgrad gegenwärtig der österreichisch – jugoslawischen Grenze besondere Beachtung schenkt. Mitte Dezember brachten die Belgrader Zeitungen Artikel, Ja denen sie die Angliederung eines Teiles von Kärnten an Jugoslawien forderten. Auch die Nachlichten über Verfolgungen und Terrormaßnahmen gegen die slowenische Bevölkerung in Kärnten mehrten sich in der letzten Zeit. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man erwarten, daß die Frage der Kärntner Slowenen vor dem Beginn der Moskauer Konferenz, auf deren Tagesordnung auch die Regelung der österreichischen Frage steht, ihren Höhepunkt erreichen wird. Über die Haltung der Sowjetunion zu dieser Frage läßt bisher nur ein Artikel der von der Roten Armee in Wien herausgegebenen „Österreichischen Zeitung“ Vermutungen zu. Darin wird behauptet, daß die österreichischen Behörden in Kärnten das Bestehen der slowenischen Minderheit ignorierten und daß dieselben Beamten, die die Slowenen in der Hitler-Zeit verfolgt hätten, dies auch heute noch ungehindert täten.