Überall in unserem Lande gibt es heute Kreise geistig lebendiger Jugend, die sich zu Gespräch und Diskussion zusammenfinden, um für sich die geistige Situation der Zeit zu klären. In solchen Debatten regiert nicht nur das temperamentvoll hingeworfene Wort und nicht nur die leidenschaftlich überspitzte Formulierung; durch das.Miteinandersprechen kommt auch eine tiefere Verstehensschicht innerhalb der Sprache und in den Menschen selbst in Bewegung, aus der die besten Einsichten fließen: „L’idee vieut en parlant.“ Unübertrefflich hat Kleist diesen Vorgang geschildert: „Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung für denjenigen, der spricht in einem menschlichen Antlitz, das ihm gegenübersteht; und ein Blick, der uns einen halb ausgedrückten Gedanken schon als begriffen ankündigt, schenkt uns oft den Ausdruck für die ganze andere Hälfte desselben.“ Der Wiederglanz des Geistes leuchtet auf den Gesichtern der Diskutierenden. Philosophische Thesen, ethische Postulate und politische Forderungen sind die hauptsächlichen Ingredienzien dieser Abende, die in all ihrer privaten Verborgenheit doch schon einen wichtigen Teil unseres heutigen geistigen Lebens ausmachen. Die Divergenz gegenüber der offiziellen Meinung tritt oft schroff zutage. Um so mehr verdient die geistige Energie, die hier frei wird, eingehende Beachtung, die nicht nur auf die Ergebnisse, sondern auch auf die jugendlichen Beweggründe und Perspektiven aufmerksam bleibt. Unser Material stammt aus Wuppertal, wo sich junge Menschen in der „Montagsrunde“ ein geistiges Forum geschaffen haben.