Nocturno von Grete Schüddekopf Vor einigen Tagen hatten wir bei unserem Freund. Gabriel ein langes und trauriges Gespräch über die Not unserer Tage, über das schreckliche Los der Vielzuvielen, die in dem wimmelnden Termitenhaufen Westdeutschland zusammengesperrt sind und zwischen Leben und Tod dahindämmern. Wir trennten uns tief deprimiert, von der Ausweglosigkeit der Situation durchdrungen.

Am nächsten Morgen erschien Freund Gabriel bei mir mit einer Miene, wie man zum Beichtvater oder Psychotherapeuten geht, und verlangte dringlich, mir einen Traum zu erzählen, den er nach unserem Gespräch gehabt habe. Es ist eine liebenswerte Eigenschaft Gabriels, daß er seine Träume hochschätzt und erzählt. Und da er eine Art von Logist der Träume ist, sind sie auch für andere begreiflich.