Der italienische Ministerpräsident, de Gasperi, hat sich Mitte Dezember aus dem Exekutiv-Ausschuß seiner Partei, der Christlichen Demokraten, zurückgezogen. Eine Geste der Solidarität gegenüber dem gleichfalls zurückgetretenen Generalsekretär der Partei, Piccini, der seinerseits wiederum seinen Rücktritt mit dem Wunsch begründet. hatte, dem Nationalrat Gelegenheit zu geben, über die bisherige Politik der Partei sein Urteil abzugeben. Dieser Schritt begegnet offenbar einer seit den Verlusten der Christlichen Demokraten bei den Gemeindewahlen immer lauter werdenden Kritik. Wenn die Christlichen Demokraten über die Entwicklung seit dem Tage, an dem sie in die Koalitionsregierung mit den Sozialisten und den Kommunisten eingetreten sind, Enttäuschung empfinden, so teilen sie dieses Gefühl mit jedem ihrer Koalitionspartner und darüber hinaus mit den breiten Massen Italiens, die sich von einer nachfaschistischen Ära im Zeichen der Demokratie durchaus andere Vorstellungen gemacht hatten. Während allerdings die Enttäuschung der Massen in diesem Umfang vielleicht vermeidbar gewesen wäre, ist die der Politiker der Koalitionsparteien sozusagen eine strukturelle und damit naturgesetzlich fast unvermeidliche. Eine Koalition solcher Gegensätze, wie sie im italienischen Kabinett zusammengeschlossen sind, mutet notwendigerweise den einzelnen Partnern um der Zusammenarbeit willen ein solches Maß an Zugeständnissen zu, daß sich das Gefühl einer Befriedigung kaum einstellen kann. Angesichts der historischen Erfahrung, daß der radikalere Teil seinem Partner in der Regel die größeren Konzessionen aufzwingt, ohne jedoch, dank seiner Radikalität, deswegen dieentsprechende Befriedigung zu finden; war es auch im italienischen Terzett unschwer vorauszusagen, daß die Christlichen Demokraten und sogar die Sozialisten dem Bündnis mit den Kommunisten manches Opfer bringen müssen.