Von Herber! Fritsche

Nicht ungern blickt der moderne Mensch auf den Helden der Forschung, auf den Gelehrten, der sein Leben zum Opfer bringt, sei es im wagnisvollen Selbstversuch, sei es im Ringen mit noch unerschlossenen Wirklichkeiten. Und gerade weil diese Opfertaten zumeist in der Stille geschehen, weil sie nicht von Dramatik umfiebert, sondern von Sachlichkeit zugedeckt zu werden pflegen, ist ihnen ein besonderer Respekt gewiß. Forschertragödien ganz anderer Art hingegen sind unbeliebt beim Publikum: Da erschießt sich der Göttinger Astronom Klinkerfues, ein international anerkannter Matador nüchternster Rechenkunst, vor dem auf seinen Lieblingsstern Capella gerichteten Fernrohr; da wird, dem Schweizer Paläontologen Greßly seine jahrelange Arbeit an der Rekonstruktion erdmittelalterlicher Riesen-Echsen zum Verhängnis und sie verwandeln sich ihm zu Drachen des Abgrunds, die ihn ins Irrenhaus jagen; da geht – wie uns Jakob von Üxküll berichtet – Anton Dohrn, der Gründer der Zoologischen Station Neapel, in völliger Hoffnungslosigkeit einem depressiven Lebensende entgegen, weil es – ihm mißlungen war, sich selbst von der Richtigkeit seines stammesgeschichtlichen Weltbildes zu überzeugen; da wirft der Hygieniker Max von Pettenkofer sein Leben fort, weil es dem rastlos und erfolgreich am Werk gewesenen Greis nicht gelang, den Lorbeer zu entbittern und den Friecen der Weisheit zu finden ...