Eines hat er schon geschafft: "G. B. S ist unstreitig der Nestor unter den Großen in der Weltliteratur der Gegenwart. Aber was ist schon ein Nestor im Vergleich zu Methusalem, dessen Lebensalter Shaw, dieser Magier des Verstandes, in fünf ebenso langen wie kurzweiligen dramatischen Visionen der Menschheit als letztes Heilmittel gegen ihre hoffnungslose Unreife verschrieben hat? Doch bestenfalls ein Jüngling, der eben gerade anfängt, seine ersten Erfahrungen zu sammeln und dessen geistige Entwicklung noch äußerst gefährdet erscheint. Da ist zum Beispiel dem großen Knut Hamsun, der freilich mit seinen S7 Jahren ein wahres Nesthäkchen vorstellt, das Mißgeschick zugestoßen, daß er sich mit der "Goebbelitis", auch "Braune Seuche" genannt, infizierte. Wahrscheinlich, weil sein Geist durch Vorurteile getrübt und dadurch mentalen Ansteckungsgefahren schutzlos preisgegeben war. Er litt ja schon lange an Haßkomplexen gegen die angelsächsische Welt, und da mußte natürlich der mit Komplexen jeglicher Art großge mästete Nazismus eine fatale Anziehungskraft auf ihn ausüben. Auch Shaw, der am 26. Juli 1856 zu Dublin geborene Ire, hat an England und den Engländern vieles auszusetzen. Er versteht es auch meisterlich, die Geißel zu schwingen. Aber er hat zugleich Humor und vor allem geistige Unabhängigkeit von blinden Affekten, Unbefangenheit des Urteils und einen völligen Mangel an Minderwertigkeitsgefühlen. Deshalb handhabt er nit Vorliebe statt eines plumperen Züchtigungsmitiels die lustig klatschende Narrenpritsche. Er tat es zeitlebens, ohne sich viel darum zu scheren, daß ihn feierliche Gemüter deshalb für einen Hanswuist hielten. Unbekümmert erfüllte er die ernste Mission des Narren im "Lear" der Menschheil gegenüber, die sich leider noch törichtei- aufgeführt hat als der alte König und weit größeres Unheil über sich und die ganze Welt heraufbesdiwor und die dessen nur schwer ein Ende finden kann. Solche Geister wie Shaw — die übrigens nur scheinbar verneinen, um desto eindringlicter ja sagen zu können — geraten bei der Menge leicit in den Verdacht, daß sie aus Angewohnheit immer anderer Meinung sind als die ändern. Die Meige sucht sich durch solche Deutungen vor dem schlechten Gewissen ihrer eigenen Denkträgheit zu schützen.