K. W. Berlin, Anfang Juli

Seit Anfang Juni verzeichnet Berlin deutlich eine veränderte politische Atmosphäre. Der eigentümliche Schwebezustand, der dadurch entstanden war, daß die Alliierten die mit großen Kundgebungen und festlichen Veranstaltungen gefeierte Gründung der Sozialistischen Einheitspartei länger als einen Monat nicht anerkannt haben, ist jetzt beendet. Er ist freilich anders abgeschlossen worden, als es die siegesgewissen Propagandisten der sozialistischen Vereinigung der Kommunistischen und der Sozialdemokratischen Partei erwartet hatten Es schien ihnen selbstverständlich, daß das Schema der Vereinigung wie in der gesamten russischen Zone auch in Berlin sich durchsetzen würde. Statt dessen ist nun mit der Sozialistischen Einheitspartei auch die Sozialdemokratische Partei genehmigt worden – und dies auch für den russischen Sektor der Stadt, in dem sie aus dem stillschweigenden Zwang der Verhältnisse heraus nach der Gründung der SED ihre Tätigkeit hatte einstellen müssen Freilich steht dieser Beschluß einstweilen auf dem Papier, inwieweit bei den hiesigen Verhältnissen und nach den vorangegangenen Kontroversen, die das Maß selbst massiver Polemiken weit überschritten haben dies freilich praktisch möglich sein wird, muß einstweilen sehr skeptisch beurteilt werden.