Als ich den Grafen Stauffenberg kennenlernte, war er Quartiermeister der 6. Panzerdivision beim Vormarsch durch die Ardennen im Frankreich-Feldzug Unvergeßlich bleiben die Quartiermeisterbesprechungen, die er abhielt. Gewöhnlich war kein fester Zeitpunkt vereinbart; nach und nach trafen die Leiter der einzelnen Abteilungen, die Führer der Sonderkommandos, die Verbindungsoffiziere ein. Stauffenberg, groß, schlank, beweglich, ein Mann von ausgesprochenem persönlichem Scharm, empfing uns mit echter, strahlender Liebenswürdigkeit. sorgte dafür, daß jeder ein Glas zu trinken bekam, eine Zigarre, eine Pfeife Tabak, Er informierte, fragte, forschte nach scheinbar nebensächlichen Dingen, gab die neuesten Anekdoten zum besten, die aus dem Raum zwischen Aufklärungsabteilung und Feldbäckereikolonne der Division zu berichten waren, sprang von einem Thema zum anderen, unterbrach jedes Gespräch, um zunächst einmal den zuletzt ins Zimmer Getretenen ananhören und auszuforschen. So verging Viertelstunde um Viertelstunde, und noch immer war keine unseier Fragen entschieden – keinerlei Dispositionen für den nächsten Tag oder auch nur für die nächste Stunde waren getroffen, kein Befehl war gegeben. Bis dann, ganz und gar unkommissig und durchaus zwanglos, die Worte fielen: "Ja, also – ich denke, wir machen das jetzt so..." Und nun gab Stauffenberg, die Linke in der Hosentasche, die Rechte am Weinglas, gedankenvoll durchs Zimmer gehend, bald hier, bald da stehenbleibend, dann wieder zur Karte greifend, den Quartiermeisterbefehl in allen seinen Einzelheiten... Er sprach nicht "schulgerecht", wie man es vom Generalstäbler erwartet; das Schema lag ihm nicht, genügte Ihm nicht. Auch fiel ihm das Formulieren durchaus nicht leicht, und das, was er sagte, war weit entfernt von einem, flüssigen, "schreibfertigen" Befehlsdiktat – aber was er da an sorgfältig ausgewogenen Überlegungen und Dispositionen entwickelte. war im Sachlichen "fertig" und vollkommen.