Das Land der Griechen mit der Seele suchend" – ist es die Nachfolge eines Goethe-Wortes, daß auf unseren Bühnen wieder die altgriechischen Stoffe auftauchen, sei es, daß mit Äschylos, Sophokles und Euripides. das Dreigestirn der antiken Tragödiendichter aus kühler Ewigkeit in diese zerrissene Gegenwart leuchtet, sei es, daß, wie Giraudoux und Anouilh es wollen, die klassischen Gestalten, Namen und Gewänder nur die bedeutsam-pikante Maskierung zu zeitkritisch-literarischen Exkursionen liefern? Ach, diese Gegenwart ist so verstört, so zweiflerisch und aus den Fugen, daß die Hinwendung zur griechischen Antike einer Flucht in jenes Land gleichkommt, das der Ursprung des europäischen Denkens und Fühlens ist, der Quell eines Geistes, den wir im vergangenen Jahrzehnt so gründlich verleugnet und verraten haben. Nun halten wir die Scherben des alten Idealbildes in den Händen. Und da wir vor der Aufgabe stehen, ein neues Panorama der Weltanschauung zusammenzusetzen – was liegt näher, als daß wir uns aufs neue der großen Kunst des antiken Griechentums nähern, dem tiefen, ungetrübten Spiegel dessen, was wir waren und was wir sein könnten!