Das Problem der Selbstverwaltung bildete den Kernpunkt aller staatsrechtlichen und vor allem politischen Überlegungen. Man glaubte dabei von dem Gesichtspunkt ausgehen zu müssen, daß die Adoption eines, andern Regierungssystems, beispielsweise des demokratischen Prinzips allein, zunächst noch keine Besserung bringen könne, wenn sich – nicht zugleich mit diesem Wechsel der äußeren Form auch eine innere Wandlung vollziehe. Es war darüber diskutiert worden, daß nicht nur im früheren Deutschland der liberale Kapitalismus im sogenannten freien Spiel der Kräfte zum Monopolkapitalismus und damit zu seiner Auflösung geführt hatte, daß der antikapitalistische Kommunismus in Rußland durch den Prozeß der Verstaatlichung aller Produktionsmittel zum Staatskapitalismus geworden war, ja daß die bolschewistische Weltrevolution sich in ihre Antithese, den nationalen Imperialismus, verwandelt hatte. Die Demokratie sollte auf eine Weise aufgebaut werden, in der Politik nicht zum Beruf gemacht wurde. Der Gedanke war daher, den einzelnen nicht einfach dem Widerstreit der Parteidoktrinen auszuliefern, und in der Möglichkeit, zwischen den für ihn oft gar nicht übersehbaren Ideologien zu wählen, die höchste Errungenschaft bürgerlicher Freiheit zu sehen, sondern ihm seine staatsbürgerlichen Rechte in der Stellung- und Anteilnahme innerhalb seiner Gemeinschaft wahrnehmen. zu lassen. Man formulierte daher so: "Die politische Willensbildung des Volkes vollzieht sich in einem Rahmen, der für den einzelnen überschaubar bleibt. Auf den natürlichen Gliederungen der Gemeinden und Kreise bauen sich landschaftlich, wirtschaftlich und kulturell zusammengehörige Länder auf. Um eine wirksame Selbstverwaltung zu ermöglichen, sollen die Länder etwa die Zahl von drei bis fünf Millionen Einwohner umfassen."