Am 4. Juli, dem historischen Unabhängigkeitstag der USA, hat in diesem Jahr in Manila die feierliche Proklamation der Unabhängigkeit auch der Philippinen stattgefunden. Gleichzeitig ist die Amtseinführung des ersten Präsidenten der unabhängigen Philippinischen Republik, Señor Manuel Roxas. erfolgt.

Das mehr als 7000 Inseln umfassende Gebiet der Philippinen ist damit – da die Dinge in Indonesien immer noch nicht über die Geburtswehen hinaus; sind – das erste der pazifischen Länder, das aus dem kolonialen oder halbkolonialen Status in den staatlicher Selbständigkeit gelangt ist. Stand in den vier Jahrhunderten spanischer Oberhoheit das Streben nach Befreiung von dieser Herrschaft für die Filipinos im Vordergrund und fand diese Entwicklung unter den Amerikanern nach 1898 ihre Fortsetzung, so machten sich in neuerer Zeit doch auch andere Momente im politischen Leben der Filipinos geltend. Besonders in den Jahrzehnten nach dem ersten Weltkrieg wurde die ständige Gefährdung dieses spannungsreichen pazifischen Raumes und die wachsende, unausgesprochene Drohung der japanischen Nachbarschaft der Intelligenz unter den Filipinos immer deutlicher bewußt. Auf beiden Seiten, der amerikanischen wie auch der der Filipinos. spielten Erwägungen nüchterner Überlegung angesichts der besonderen Interessenlagerung dieser Partner eine so erhebliche Rolle, daß hier eine in der Geschichte der Unabhängigkeitsbewegungen geradezu einmalige Erscheinung entstand: auf der einen Seite ein nach Unabhängigkeit strebendes Volk, unter dessen Politikern eine bedeutende Gruppe dennoch von Zweifeln an dem uneingeschränkt Wünschenswerten des erstrebten Zieles und dem Wunsch nach einer Beibehaltung des bisherigen Zustandes bewegt wurde und entsprechend handelte, auf der andern Seite die herrschende fremde Macht, die vor allem durch wirtschaftliche Gesichtspunkte dahin beeinflußt wird, dem beherrschten Volke von sich aus die Unabhängigkeit zu gewähren. Für beides liegen Beweise vor. Um mit den Herren des Landes zu beginnen, würde mit der sich nach 1929 auf Grund der Weltwirtschaftskrise durchsetzenden starken Schutzzollpolitik in den USA der Wunsch, die amerikanische Zuckerwirtschaft endgültig von der heftigen Konkurrenz des Philippinenzuckers zu befreien, durch ein Ausscheiden der Philippinen aus dem Bereich der Vorzugszölle. zur vielleicht wichtigsten treibenden Kraft für die Annahme jener Tydings-McDuffie-Act durch den Kongreß, mit der im März 1934 die philippinische Unabhängigkeit ursprünglich für 1945 vorgesehen wurde. Es waren vorwiegend strategische Erwägungen, die später zu einer Verschiebung dieses Termins bis 1960 führten. Und nun zu der andern Seite. Sicherlich sprach seinerzeit Präsident Luis Quezon breiten Massen der Filipinos aus dem Herzen, als er auf einer Studentenversammlung erklärte, er ziehe eine schlechte Filipino-Regierung einer guten amerikanischen vor. Dennoch hatten Überlegungen außenpolitischer und wirtschaftlicher Art schon 1939 ein solches Gewicht erhalten, daß sich auf philippinischer Seite der Wunsch nach zum mindesten einer Verlängerung der in der Tydings-McDuffie-Act vorgesehenen Übergangszeit möglichst bis 1965 geltend machte und daß sogar eine Gruppe von Politikern unter Führung José Romeros, eines Abgeordneten der philippinischen Nationalpartei, offen für die Beibehaltung der amerikanischen Oberhoheit eintrat.