Von Tami Oelfken

Wie ungern verließ ich die großen Städte, um auf dem Lande in möglicher Sicherheit zu leben. Welche Sorge hatte ich um meine Bücher, die zurückblieben und mich nun ohne ihre tröstende Zuspräche ließen. Damals dachte ich nicht anders, als daß ein blühender Frühling in der himmlischen Landschaft Schickeies und ein fruchtreicher Sommer genügen würde – und der Tag der Freiheit würde da sein.

Aber nun bin ich seit Jahren wieder auf dem Lande. Das Leben um mich blüht auf in seinem natürlichen Wechsel, und sichtlich hat jedes Geschöpf einen höchsten Tag seines Lebens, genau wie die Sonne ihn erlebt, wenn sie im südlichen Zenit steht. Haben nicht so auch die Menschen einen Tag, an dem ihr irdisches Leben seine Höhe hat? Mancher erlebt ihn als den Tag der Liebe oder der Hochzeit, mancher als die Geburtsstunde seines Werkes.