Von Walter Schumann

Aufgepaßt! Der einundsechzigjährige Bauer aus Ostpreußen, der in der Kriegsendphase als Volkssturmmann eingesetzt war, breitet die Arme aus und fängt den acht Pfund schweren Medizinball, der ihm aus zehn Meter Entfernung zufliegt. Das schußverletzte rechte Handgelenk schmerzt. Der Versehrte beißt die Zähne zusammen. "Wie du mir, so ich dir!" Er dreht sich um und wirft den Ball rücklings über den Kopf dem Partner zu.

Zwanzig Gelenkverletzte spielen in der Turnhalle des Hilfskrankenhauses Hamburg-Ohlstedt, üben sich im "Butterwiegen" und "Fingerhakeln", klammern sich an Leitersprossen und lassen die Beine baumeln. Dann stellen sie sich mit zwei Meter Abstand im Kreis auf und werfen sich in schnellem Tempo die Bälle zu. Dem großen, gewichtigen Medizinball folgt ein winziger, federleichter Zelluloidball, diesem ein Kindskopfgroßer Gummiball, ein Schlag-, ein Tennisball. Zwischendurch muß als widerspenstiges "enfant terrible" ein armlangen Holzstab tanzen, der die greifenden Hände eigenwillig umfliegt und putzelbaumschießend in die Kniekehlen hüpft.