Damals, in den Hungerjahren 1945/46 – so wird später einmal in wirtschaftshistorischen Darstellungen zu lesen sein –, hatte sich ein merkwürdiges Versorgungssystem herausgebildet. Anstatt die Kartoffeln zum städtischen Verbraucher zu bringen, ließ man es zu, daß die Städter aufs Land fuhren, um in kleinen und kleinsten Mengen die Kartoffelreserven der Bauern hereinzuholen. Offiziell war es verboten – faktisch geschah es doch. Anstatt ganz Deutschland zu einem einheitlichen Versorgungsgebiet zu erklären, ließ man es zu, daß in wenigen Besatzungszonen die Versorgung normal war, daß in anderen ausgesprochener Mangel herrschte, und anderwärts wieder ein Überfluß, der die Verwendung von Kartoffeln für die Schnapsproduktion und für Reparationsausfuhren unbedenklich erscheinen ließ. Während das Schlagwort "Wirtschaftseinheit gemäß den Potsdamer Beschlüssen" die öffentliche Diskussion beherrschte, ging die wirtschaftspolitische Differenzierung in den einzelnen Besatzungszonen immer weiter...