Der Konsum hat in Deutschland als Steuerobjekt stets nur eine verhältnismäßig geringe Rolle gespielt. Außer bei Tabak, Bier und Alkohol (die beiden letzten bisher mit großem Ertragsabstand vom Tabak) ist er als fiskalische Einnahmequelle sogar fast bedeutungslos gewesen. Im Bismarckschen Reich begegnete die Verbrauchsbesteuerung starken parlamentarischen Widerständen. Die unmittelbare fiskalische Erfassung von Einkommen und Vermögen ist seitdem Kernstück der deutschen Steuerpolitik geblieben. Das Gegenbeispiel liefert Rußland. Die Sowjetunion bezieht – Sondererscheinungen der Kriegsfinanzierung außer Betracht gelassen – den allergrößten Teil ihrer Staatseinnahmen aus der Umsatzsteuer und aus den Gewinnen der staatlichen Unternehmen. Schon das zaristische Rußland gewann über 85 v. H. seines Steueraufkommens aus der Verbrauchsbelastung. Die Erklärung hierfür liegt in erster Linie auf finanztechnischem Gebiet, nämlich darin, daß die Verhältnisse des Landes die Feststellung und Erhebung der Einkommensteuer sehr erschweren. Abstellung auf den Konsum (sowie etwa noch auf Grund und Boden) ermöglichen demgegenüber eine einfachere und kleinere, daher auch zuverlässiger und rationeller arbeitende Steuerapparatur.