In einer Großstadtstraße Nordwestdeutschlands hängen an Häuserwänden drei Marmeladeneimer. Hier einer, da einer, und dort einer. Sie sind schön blau bemalt. Mit Ölfarbe. "Ein hungriger Hund bittet um Knochen", steht in Schwarz auf Weiß auf den Eimerbäuchen. Weithin sichtbar. Die großen Zierbuchstaben sind mit Liebe gemalt. Eine Unterschrift enthält der Appell an den Tierliebhaber nicht. Man weiß nicht, warum. Aus dekadenter Scham? Bitten und betteln sind stammverwandt. Betteln unter dem Deckmantel der Anonymität, und sei es auch nur für einen Hund, weckt Zweifel. Warum soll man nicht wissen, wohin die Spenden fließen? Zugegeben: Stände unter der Bitte "Kullicke", wäre bei wörtlicher Auslegung der Fürsprecher selbst der hungrige Hund, was bei der gegenwärtigen Ernährungskrise mit schmunzelndem Verständnis aufgenommen würde. Man kann Knochen nicht nur einmal, sondern zwei-, drei- und viermal auskochen, es kommen immer noch Kalorien in Gestalt von Fett heraus. Auch Seife kann man aus Knochen machen. Sogar Knochenmehl, falls man eine Knochenmühle hat. Es ergibt ein die – Eierproduktion anregendes Futtermittel für Kotschinchina-, Wyandottes-, Minorka-, Plymouth-Rocks und andere Hühner.