K. W. Berlin

In Berlin haben kurz hintereinander die beiden nichtsozialistischen Parteien, die Liberaldemokraten und die Christlich-Demokratische Union, Parteitage abgehalten, die in ihrer Absicht und zum Teil wohl auch in ihrem Ziel weit über den Berliner Rahmen hinausgingen. Bei den Liberaldemokraten handelte es sich zwar nur um einen Berliner Bezirksparteitag, der aber freilich erstrebte mit seiner politischen Meinungserforschung schon deswegen einen weiter gespannten Horizont, als er im Anschluß an eine Reise stattfand, in der der hiesige Parteivorsitzende der Liberaldemokraten, der frühere Reichsinnenminister Dr. Külz, eine viel beachtete Geschäftigkeit in den Westzonen entwickelt hatte. Der Zonenparteitag der Christlich-Demokratischen Union aber trug viel stärker noch echtes politisches Gepräge dadurch, daß an ihm zum ersten Male überhaupt mehr als hundert Delegierte aus den westlichen Zonen teilnahmen. Da die beiden Tagungen außerdem in die Wochen fielen, in denen die Tätigkeit der politischen Parteien in der Ostzone gerade ein Jahr alt geworden war, sagten sie in einem starken Maße mancherlei darüber aus, wie das politische Gefälle des ersten Nachkriegsjahres von der Parteienpolitik gefärbt oder unbeeinflußt blieb.