Viele Gründe sind denkbar, warum Georg Kaiser seinen "Flüchtling" als Entwurf hat liegen lassen. Einer schließt sich aus: daß er ihn bei näherem Besehen als nicht dramatisch genug sollte verworfen haben. Dramatisches vielmehr quillt bereits dem Vorgang wie Schweiß aus allen Poren. Man prüfe selbst: Der Flüchtling verbirgt sich, unter Anmaßung aller Rechte, im Ehebett des Grenzwächters, der ihn verfolgen soll, und entflieht aus der immer enger werdenden Umzingelung nicht nur mit Hilfe der Frau, sondern zuletzt dank der Selbstaufopferung des zu einem neuen Ethos bekehrten Gehörnten. Umzingelung von außen, prekäre Situation, und deren Entlarvung von innen, das hat’s von alters her in sich. Es ist daneben belanglos, daß der Flüchtling diesmal ein französischer Arbeiter ist, der zur Zeit der (deutschen) Besetzung an der Schweizer Grenze seinem Convay entspringt, welche zeitnahe Einfärbung übrigens mit einer Diskretion gehandhabt wird, die dem Realismus des Ganzen widerspricht. Daß der stur pflichtgetreue Beamte sich, unter Hintansetzung persönlichster Kränkung, in einen todbereiten Maquisard verwandelt, ist der Schluß- und Haupteffekt und der eigentliche Wink in die Zeit, die freilich nie stillsteht;