Zum Abschluß der "Woche der Dichtung", die in Hamburg stattfand, entwickelte Herbert Scheffler Gedanken über die aufrichtende Bedeutung der Kunst, die wir im Wortlaut seines Vortrages in der "Zeit" veröffentlichen.

Wie ein heftiger Lärm nicht eine Stille, sondern eine Leere hinterläßt, ein Zusammensinken der über das Maß der Erträglichkeit gespannten Nerven, so wird auch der Zustand, der den ungeheuerlichen Zumutungen dieses zweiten Weltkrieges folgt, noch nicht mit dem Positivum "Frieden" bezeichnet werden dürfen, sondern höchstens mit dem Negativum "Nicht mehr Krieg". Wir leben in einem Vakuum, und es ist kein Zweifel, daß manchem von uns, der sich mit seiner ganzen Konstitution (gut- oder widerwillig) auf das Leben unter dem Krieg eingestellt hatte, der augenblickliche Zustand atembeklemmender ist als Jede bisherige Bedrohung. Auch demjenigen Deutschen der das Ende dieses Krieges mit allen seinen schon lange unabwendbaren Konsequenzen herbeigewünscht hatte, bleibt nun der Atem stehen, die Lungen ringen nach Luft, das Herz kann den Zustrom des rasend umgetriebenen Blutes nicht bewältigen. Die Begnadigung dieses Friedens ist, durch unsere eigene Schuld, eine Begnadigung unter dem Fallbeil geworden.