Von Jan Molitor

Im Garten eines halbzerstörten Hauses werkt ein Mann in Hemdärmeln. Er scheint zufrieden. Nach einer milden Regennacht strahlt die Sonne. Und man glaubt, dem Gemüse zusehen zu können, wie es wächst. Was aber ist dem Haus passiert? Eine Bombe? Ein Brand? – "Nee, die Polen!", sagt der Mann in Hemdärmeln. "Die Polen von Bardowick ..."

In den klaren Frühlingshimmel ragen spitz und dennoch bäurisch gedrungen die beiden Domtürme. "Was glauben Sie", sagt der Mann in Hemdärmeln und klemmt den Griff seines Gartenrechens in die linke Achselhöhle, "was glauben Sie, wie wir zu diesen Türmen hinübergeblickt haben, viele, viele Monate lang! Die Augen sind uns heiß und feucht geworden. Am Pfingstsonntag mußten wir raus. Ende März durften wir wieder rein. Zehn und einen halben Monat guckten wir uns die Augen nach den Domtürmen aus. So lange war Bardowick Wohnstatt für die Polen..."