Von Feier Mösch

Wenn man Hamburg schon mit einer Oase vergleicht (wie vor kurzem an dieser Stelle geschehen) –, als was muß man dann Heidelberg bezeichnen? Soll man es im Super-Jargon unserer Zeit eine Super-Oase nennen oder gleich besser eine Fata Morgana? Damit wäre jedenfalls im Wüstengleichnis der Superlativ schlechthin erreicht: höher und unwirklicher geht’s nimmer!

Die Legende von der verschonten Stadt ist überallhin gedrungen, wo zwischen Trümmern die Sehnsucht nach Heilem und Ganzem bis zur Heftigkeit körperlichen Schmerzes empfunden wird. Wahrhaftig, die von Zerstörung umringten Menschen hätten sich dieses Wunder erdichtet, wäre es nicht in Heidelberg verwirrende Wirklichkeit! Denn die Vorstellung, daß es so etwas heute noch gibt inmitten der riesigen Kriegslandschaft, in die Deutschland verwandelt wurde, tut der Seele einfach not. Sie gewährt einen Ruhepunkt für die gehetzten Gedanken und reicht in der absoluten Trostlosigkeit die erste Hilfe. Wir stocherten verzweifelt suchend im Schutt unserer reichen Städtekultur, und nun halten wir endlich einen Fund: blank und ganz. Reine, unversehrte Schönheit im Raum der Vernichtung hat etwas unsäglich Ergreifendes. So wirkt zwischen herabgestürzten Mauern hängend "ein Kunstgebild der echten Art" auf das erschütterte Gemüt. Nie glauben wir die Schönheit inniger zu lieben als in solchen Augenblicken.