Die Außenminister der Siegermächte haben sich in Paris nicht einigen können. Sie sind auseinandergegangen, ohne die Grundlagen für die von der ganzen Welt so heiß ersehnte Friedenskonferenz gelegt zu haben. Nicht einmal über den endgültigen Tag des Beginns dieser Konferenz, die ursprünglich auf den 1. Mai anberaumt war, haben sie einen Beschluß, fassen können, sondern sind nur darüber einig geworden, daß sie sich am 15. Juni, noch einmal zusammenfinden wollen. Wird sich bis dahin das Gesicht der Welt verändert haben?

Eines ist sicher! Hunger und Elend werden zugenommen haben, ganz besonders in Mitteleuropa. Mögen sich manche Staatsmänner damit trösten, daß mit der nächsten Ernte eine wesentliche Erleichterung kommen wird; darin aber sind sich alle einig, daß in den Monaten bis dahin der Mangel an Getreide und anderen Lebensmitteln teilweise verheerende Formen annehmen wird. Der Vertreter Großbritanniens für Ernährungsfragen in USA, Herbert Morrison, der Lordpräsident des Geheimen Rates, erklärte im amerikanischen Rundfunk, daß in der britischen Zone Deutschlands die Vorräte an Brotgetreide und Nährmitteln nur bis zum 27. Mai reichen. Werden die Probleme, die aus dieser Tatsache erwachsen, wird die erdrückende Last verstärkter Hungersnot eine günstigere Vorbedingung für die Vorbereitung des Friedens sein?