Gruß an Gustav von Wangenheim

Es war im Hamburg der Weimarer Republik. Nach den Kammerspielen hatte Erich Ziegel die Leitung des Schauspielhauses übernommen. Das brave, bürgerliche Abonnementspublikum zog verschnupfte Nasen, aber die Jugend witterte Morgenluft. Sie jauchzte, sie war begeistert; sie füllte die Galerien und billigen Plätze! Noch einmal, nach dem schon sanft auf seinen Lorbeeren ausruhenden republikanischen Geist Deutschlands, wehte ein freier Wind von der Bühne durch die verstaubten Ränge des Theaters. Auf dem Programmzettel stand Franz Werfels, des in der Verbannung Gestorbenen, "Juarez und Maximilian". Die teuren Plätze in Parkett und Rang gähnten leer – die Jugend der Galerie aber jubelte Gustav von Wangenheim zu! Da wirkte er, dieser Sprecher, Spieler, Künstler und Gestalter aus einer unheimlichen, atemberaubenden Vitalität heraus, da wirbelte er über die Bühne und riß seine Kollegen mit, daß auch die Herzen der gekommenen, atemlos schauenden und horchenden Zuhörer mit- und aufgewirbelt wurden. Da füllte eine Gewalt der Sprache das Haus, vor der sich niemand, der wußte, daß Kunst Bekenntnis ist, verschließen konnte! Es war ein großer Abend! Und die dabei waren, gingen mit aufgewühlten Seelen aus dem Theater in die nächtlichen Straßen Hamburgs hinaus.