Im Gedenken an Otto Alfred Politisch

Abgespannt, wenn auch nicht müde, verließ ich nach Mitternacht die Redaktion. Die Frühlingsnacht war von gleißendem Mondschein erfüllt; auf den bleichen Lichtungen zerstörter Quartiere huschte mein Schatten neben meinen Füßen einher, in den schwarzen Straßenfurchen hallten meine Schritte wider. Duft und Hauch der Mainacht taten bei mir jedoch keine Wirkung. Die Löcher im Pflaster, herumliegende Mauerbrocken erforderten viel Aufmerksamkeit; überdies verfolgte mich die unbehagliche Vorstellung von Landhaien, von jeder Begegnung überhaupt; denn die Marodeure sollten ja, wie es hieß, sogar als Polizei und Soldaten verkleidet ihre Opfer stellen. Besser, man sah niemanden. So gab es mir zunächst einen tüchtigen Schreck, als ich in einer Ruinennische zwei Gestalten entdeckte, der nicht geringer wurde, als ich sah, daß hier ein Mann einer Frau auf ziemlich eindeutige Art zusetzte. "He, Sie da, was fällt Ihnen ein?!", rief ich um einen Grad zu laut und wandte mich den beiden zu. Mit fragwürdigem Mut übrigens; aber der spätere Selbstvorwurf, wenn ich es nicht getan hätte, wäre eben noch abscheulicher als die Angst vor der Sache. Ich hatte jedoch Glück: der Kerl knurrte irgend etwas und verschwand durch eine Mauerlücke in den Trümmern.