Von Jan Molitor

Jedesmal, wenn sie heimkommen, erklären sie, daß dies das letztemal gewesen sei und daß sie nicht noch einmal "auf Kartoffelfahrt" gehen würden. Die einen kommen mit leerem Rucksack heim; denn die mühsam erjagte, kläglich erbettelte Beute ist ihnen ohne viel Umschweife auf irgendeinem ländlichen Bahnhof schon wieder abgenommen worden. Die anderen haben mehr Glück gehabt. Sie haben je nach der Zahl ihrer Familienmitglieder Aussicht, sich acht Tage oder drei Mahlzeiten lang einigermaßen sattzuessen. Aber alle schwören, daß sie niemals wieder eine Kartoffelreise machen würden. "Sagen Sie selbst", so bricht temperamentvoll ein Herr in mittleren Jahren aus, der über einem noblen, hellgrauen Sommerjacket einen halbgefüllten, äußerst schäbigen ausgedienten Luftwaffen-Rucksack trägt, "sagen Sie selbst: die fünfzehn Pfund, die ich mir habe zusammenschnorren können, bringen mir die Kalorienmenge gar nicht wieder ein, die ich bei sechs Stunden Eisenbahnfahrt und acht Stunden Fußmarsch verpulvert habe! Raten Sie mal, bei wieviel ,gebefreudigen‘ Bauern ich anklopfen mußte, um diese fünfzehn Pfund zusammenzubringen? Bei zwölfen! Da weiß man wirklich nicht, was größer ist: die Hartherzigkeit oder der Geiz!"