Von Richard Tüngel

Nach langen Jahren ist in Hamburg zum ersten Male wieder eine repräsentative Ausstellung Jener Kunst veranstaltet wenden, die im Dritten Reich verboten war und deren Werke, soweit sie sich im Besitz deutscher Museen befanden, sinnlos verschleudert oder vernichtet worden sind. Die Einladungen zu ihrer Eröffnung in den Kunstsälen Bode sind nicht nur von einer staatlichen Stelle, von der Kulturverwaltung, ergangen, sondern auch vom Zentralausschuß Hamburger Studenten. Dies und der Titel "Wegbereiter", den die Ausstellung trägt, gibt ihr eine besondere Bedeutung. Die Anfeindung, der die moderne Kunst in jüngster Zeit sowohl bei uns wie auch im Ausland ausgesetzt war, zeigt, daß die Opposition gegen sie noch nicht geschwunden ist, die Zustimmung der Studenten beweist, daß zum mindesten ein Teil unserer Jugend in ihr den Anfang einer kommenden Entwicklung sieht. So ist sie also, immer noch leidenschaftlich umstritten, Zeichen einer Unruhe, deren Herkunft zu erforschen, reizvoll und wichtig ist.