Von Marion Gräfin Dönhoff

In diesem Lande, in dem Sorgen und Freuden nach Kalorienverlust und -erhalt gemessen werden. ist das Frühjahr mit seiner wärmenden Sonne und den sprießenden Vitaminen so sehnsüchtig erwartet und freudig begrüßt worden wie nie zuvor. Nicht nur für die Menschen gilt das, sondern auch für Vieh und Pferde, die gleichermaßen an dem hungerreichen Wiederaufbau beteiligt sind.

Vor allem die Flüchtlingspferde könnten ein Lied davon singen, wenn sie nicht verhältnismäßig stumm geboren worden wären. Ihre Rationen liegen genau wie die unseren weit unter dem Niveau der Erhaltungsnorm. Immer magerer sind sie geworden, das Haar immer stumpfer und die Augen müde und freudlos. Gramgebeugt hängen die schweren Köpfe wie welke Früchte an einem trockenen Baum, wenn sie in dem fremden Stall vor sich hindämmern, und in dumpfem Traum das Erinnern an die Weite der östlichen Weidegründe durch ihre Gemüter zieht.