François Poncet, während langer Jahre französischer Botschafter in Berlin, hat einen Plan vorgelegt, der die Kriegsgefahr beschwören soll, die – angeblich von einem einigen, von zentraler Stelle geleiteten und verwalteten Deutschland ausgehen könnte. Sechs Staaten sollen gebildet werden, die sich zu einem Bunde zusammenfinden, der jedoch nicht in die innere Verwaltung der Einzelstaaten hineinregieren dürfte.

Wir wollen dem früheren Botschafter nicht seinen guten Willen absprechen. Solange in seiner Heimat noch ganz andere Gedanken erwogen oder gar ernsthaft verteidigt werden, solange aus einem geschlossenen Wirtschaftsgebiet das Herzstück herausgeschnitten werden soll, so wie einstmals die indianischen Bewohner Mexikos, die Azteken, den Kriegsgefangenen bei lebendigem Leibe das Herz herausschnitten, um es noch zuckend ihrem Kriegsgott, dem grausigen Vitzliputzli, zum Opfer zu bringen, solange erscheint ein Plan wie der Poncets noch als ein kluger, weiser Vorschlag. War Deutschland früher nicht auch ein Bundesstaat? Hat nicht erst Bismarck durch die Vorherrschaft von Preußen dem Begriff Deutschland die unheimliche Bedeutung der militärischen Kraft verliehen, mit dem Schauder umgeben, der sich in der Erinnerung an zwei entsetzliche Weltkriege einstellt? Wer die Dinge so sieht, der beweist noch einen Funken guten Willens, aber er enthüllt seinen Mangel an geschichtlichem Sinn. Ihm fehlt die Gabe, vergangene Entwicklungen abzuschätzen und sich von Bildern freizumachen, die längst untergegangen sind.