Ein Witz unter Trümmern: München hat wieder ein "Bayrisches Hof-Theater"! Freilich ist es damit nicht weiter königsparteilich bestellt. Sondern diesen Namen errang sich scherzweise unlängst das Münchener Volkstheater, als es ins ehemalige Hotel "Bayrischer Hof" einzog, unter dessen Ruinen sich noch, zur allgemeinen Überraschung, zwei nicht eingestürzte Säle vorfanden. Nicht vom Promenadenplatz, sondern hinten von der Prannerstraße her geht man, den Resten des Landtagsgebäudes gegenüber, durch eine schmucklose Toreinfahrt, an Hinterhöfen vorbei, und befindet sich unversehens in einer Theatergarderobe. Man staunt, wie wohltuend geschmackvoll sich alles hat richten lassen. Das neue Theater zieht sich räumlich nicht, wie die meisten, in die Tiefe, sondern in die Breite. Die Bühne ist ähnlich wie bei den Passionstheatern unterteilt: links und rechts vom Hauptszenarium sind kleinere Seitenbühnen, über etliche aus dem Saal hinaufführende Stufen erreichbar und so für Nebenhandlungen einzubeziehen. Bei flacher Bühne ist dies Ausweichen nach den Seiten ein dankenswerter Behelf. Bühnenraumtiefe bleibt freilich ein unersetzbarer Verzug.