Die Rolle, die das lyrische Gedicht in Hellas spielte, war eine durchaus andere als jene, die ihm in unserer Welt zukommt. Es steht nun einmal so, daß bei uns die Allgemeinheit das Gedicht als eine teils verwirrende, teils lächerliche, teils angenehme, teils unbegreifliche Zugabe zu den eigentlichen Lebenswerten, als eine Art von Verzierung, die vorhanden sein, die aber ebensogut auch fehlen kann, als eine durch und durch ästhetische Angelegenheit empfindet, mit der ernsthafte Leute sich nicht befassen sollten. Wenn es keine Gedichte gäbe, würde sich unser Treiben und Gebaren jedenfalls um keinen Deut anders ausnehmen als jetzt. Die Gedichte haben am Rande unseres Daseins ihr wenig beachtetes Luxusleben, nichts sonst. Ihnen fällt keine Aufgabe, kein Sinn, keine Pflicht und kein Amt in unserer Gesellschaft zu. Und wie die Dichtung, zumal die lyrische, keinen Ort hat, an dem sie west, und keine Stunde, zu der sie waltet, so ist der Dichter der Unbehauste in unserer Welt und Zeit, der Überflüssige, der Ungefragte, der Ungehörte, allenfalls der Bestaunte, aber der seiner Fremdheit und Seltsamkeit wegen Bestaunte.