Vor einem Jahr verstummten die Geschütze. Aus den Kellerlöchern, wohin sie sich vor Bombenangriffen und Tieffliegern geflüchtet hatten, aus den Schützengräben und Einmannlöchern, wohin sie gestellt waren, um auf verlorenem Posten auszuharren, ohne den Sinn des Kampfes mehr zu verstehen, aus den Bunkern der Großstädte, wohin panisches Entsetzen vor dem Unvorstellbaren sie gejagt hatte, überall schauten die deutschen Menschen gen Himmel, die Zivilisten, die wenigen Soldaten, die Frauen und Kinder. Es war zu Ende.

Schweres hat das deutsche Volk in den ersten 66 Monaten des zweiten Weltkrieges durchgemacht, fast mehr, als ein Volk ertragen kann. Aber alles Grauen, alles Entsetzen, alles Unsagbare verblaßt gegenüber den beiden letzten Monaten, in denen die Eisenwalzen von Westen und von Osten her über das deutsche Land rollten, um schließlich an Elbe und Unstrut zusammenzuschlagen. Von Osten wie von Westen setzten sich Flüchtlingsmassen in Bewegung, wie sie selbst nach den Erfahrungen des Frankreichfeldzuges und des Rußlandkrieges kaum geahnt werden konnten. Vor ihnen her liefen die Gerüchte von einem Schrecken, der über deutsche Lande und deutsche Menschen hereingebrochen war, wie noch nie seit den Tagen der Völkerwanderung; hinter ihnen drängten Pariser- und schnelle Truppen nach, über ihren Häuptern schwebten die Träger der Vernichtung.