Von WALTHER VON HOLLANDER

Neben dem Reiche der Erkenntnis, das wir beherrschen, und dem weiteren Reiche, das wir durch den Willen beherrschen können, gibt es sowohl im Menschen als auch im Kosmos Zwischenreiche, über die kein Wille ohne weiteres gebietet, und in die keine Intelligenz, sei sie noch so scharf, eindringt. Da liegt das Reich der Gefühle, in dem der Wille wenig zu sagen hat, und die Erkenntnis höchstens eine beratende Stimme führt, ein Reich, über welches höchstens die Zeit regiert, die alles zermahlende, alles mit dem Staub des Vergessens zuschüttende, ausfüllende, verwischende Zeit. Aber noch eine Stufe tiefer hinab liegt in ewiger Dämmerung, von keinem Strahl der Erkenntnis erfaßt, von keinem Willen noch je durchmessen, ein anderes Reich, das den meisten Menschen unbekannt ist, vor dem sie sich fürchten, das sie ableugnen, und das doch immer wieder mit Schattenarmen, mit unhörbaren Stimmen, mit plötzlichen Überfällen, in das Leben jedes Menschen hineinwirkt, und die einen zu Glanz und Wirkung führt, die andern in einem unbegreiflichen Sturz in die Abgründe der Vernichtung hineinstößt. Es ist das Reich des Dämonischen, das mit vielen Namen genannt wird, von vielen Seiten berannt ist, das die Philosophen ebenso aufzulösen trachteten, wie die Psychoanalytiker, das die meisten Religionen als ein Reich des Bösen betrachten und ablehnen.