Von ROBERT WALTER

In einer sommerlichen Frühe stieg Gin Seng vom Ufer des Min über die Gärten empor. Der Anblick eines Pfirsichbaumes voller Früchte ließ ihn verharren, denn die Sonne feuerte göttlich im Baum und das Wasser des Min tief unten schien durch das Gezweig wie ewige Zeit zu strömen. Der Dichter hockte sich auf die nackte Erde, schauend und träumend, bis das Wundergebilde der Schöpfung in ihn eingegangen war; dann schlang er die Arme um die Knie, neigte das Haupt und versank im Gedicht.

Es geschah ihm, daß die harte Schale eines Pfirsichsteins, den er zwischen den Fingern fühlte, aus rätselhafter Macht vom weichen Kern gesprengt wurde, und die Keimblätter und Würzelchen zu treiben anfingen. Allmählich, wie durch Wochen und Monde, entfalteten sich die Herzblätter, der dünne Schaft strebte empor und durch unendliche Zeit vollendete sich der Baum: er wuchs in Gin Seng, sog mit dem Wurzelgeäst die Kraft aus seinem Wesen und füllte ihn im Wandel der Jahreszeiten mit Blattwerk, Blüten und Früchten.